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Dienstag, 9. April 2019

Die Normalität von rassistischen Übergriffen in Österreich

Reaktionen auf Videos, die rassistische Übergriffe zeigen, sind entlarvend. Denn niemand will sagen, dass Rassismus in Österreich schon lange zur Normalität gehört, schreibt Mahdi Rahimi.....


.... Warten auf die Rassismus-Reportage

Doch in den meisten Reaktionen auf die Videos geht es eben nicht um den rabiaten Rassismus, der in Österreich zumindest akzeptiert, vielleicht sogar schon Mehrheitsmeinung ist. Die Antisemitismus-Studie der Bundesregierung lieferte ein Ergebnis, über das kaum diskutiert wurde: Über 30 Prozent der ÖsterreicherInnen wollen keine Schwarzen, TürkInnen, AraberInnen, AfghanInnen oder Roma als NachbarInnen.
Anstatt die Videos als das zu verstehen, was sie sind, nämlich Dokumentationen des Alltags für nicht-autochthone MitbürgerInnen seit mindestens 30 Jahren, empört man sich über andere Dinge. Auf die große Rassismus-Reportage wartet man indes vergeblich. Statt sich darum zu kümmern, sorgt man sich um die Psyche der Angreiferin, den Arbeitstag des Busfahrers oder den Alkoholpegel der Frau. Eine Ausrede findet sich immer.

Dienstag, 29. Januar 2019

Rassismus : Ausgeschlossen vom Menschsein

 
Die englische Fassung des Buchs "Warum ich nicht länger mit Weißen über Hautfarbe spreche" hat große Aufmerksamkeit erregt. Ein Auszug aus der deutschen Erstausgabe
Vor fünf Jahren veröffentlichte ich einen Post auf meinem Blog, der sich innerhalb kurzer Zeit verbreitete und große Resonanz erfuhr. Hier einige Auszüge: 
Ich spreche nicht länger mit Weißen über das Thema Hautfarbe. Das betrifft nicht alle Weißen, sondern nur die große Mehrheit, die sich weigert, die Existenz von strukturellem Rassismus und seinen Symptomen anzuerkennen. Ich kann mich nicht mehr mit der emotionalen Distanz auseinandersetzen, die Weiße an den Tag legen, wenn eine Person of Colour (PoC) von ihren Erfahrungen berichtet. Man sieht, wie sich ihr Blick verschließt und hart wird. Es ist, als würde ihnen Sirup in die Ohren gegossen, der ihre Gehörgänge verstopft. Es ist, als könnten sie uns nicht mehr hören. (...) 
Die emotionale Distanz ist die Folge eines Lebens, in dem sich jemand vollkommen unbewusst darüber ist, dass seine Hautfarbe die Norm darstellt und alle anderen davon abweichen. Bestenfalls wurde Weißen beigebracht, nicht zu erwähnen, dass People of Colour "anders" sind, falls es uns beleidigt. Sie glauben wirklich, dass die Erfahrungen, die sie aufgrund ihrer Hautfarbe gemacht haben, universell sein können und sollten. 
..... Wie soll ich white privilege definieren? Es ist so schwierig, eine Leerstelle zu beschreiben, etwas, das abwesend ist. Und white privilege ist die Abwesenheit der negativen Folgen von Rassismus. Die Abwesenheit struktureller Diskriminierung, die Abwesenheit der Tatsache, dass deine Hautfarbe zuallererst als Problem gesehen wird, die Abwesenheit des "aufgrund meiner Hautfarbe ist es weniger wahrscheinlich, dass ich erfolgreich sein werde". 
... Es ist vielleicht eine Überraschung, dass es ein weißer Mann war, der die Bezeichnung white privilege als erster verwendet hat. Theodore W. Allen wurde 1919 in Indianapolis, Indiana, geboren. Als Erwachsener engagierte er sich in der Gewerkschaftsarbeit. Tief bewegt von der Bürgerrechtsbewegung in den Sechzigerjahren, begann er nach der Lektüre von Autoren wie W. E. B. Du Bois zu erkunden, was er "das Privileg der weißen Hautfarbe" nannte....

Dienstag, 22. Januar 2019

Antimuslimischer Rassismus hat in Spitzenpolitik Fuß gefasst

SOS Mitmensch hat erstmals einen Bericht über antimuslimischen Rassismus in der österreichischen Spitzenpolitik veröffentlicht. Für das Jahr 2018 wurden zwanzig antimuslimisch-rassistische Kampagnen dokumentiert, in die teilweise auch Mitglieder der Bundesregierung involviert waren. Die Menschenrechtsorganisation warnt vor einer gefährlichen Verankerung von Hassideologien in der Spitzenpolitik.









Dazu sei noch angemerkt, dass eben dieser Rassismus von Herrn Michael Köhlmeier zum Gedenktag gegen Gewalt und Rassismus sehr wohl angesprochen wurde. Siehe/Höre im vorigen Post
das Video dieser Rede.

Und jeder glaubt was er will und viele wollen den Vergleich mit dem Nationalsozialismus und dem zunehmenden Antimuslimischen Rassismus nicht gelten lassen.
  • Manche einfach weil es sie nicht betrifft und sie in ihrer eigenen Blase leben.
  • Manche nach dem Motto: "Lieber Gott, schütze mich und meine Brut, zünd´ das Haus vom Nachbarn an, hauptsach´ mir geht´s gut." Solange es ihnen gut geht ist es egal, wer eine auf den Deckel bekommt - schließlich wird schon was Wahres dran sein....
  • Und manchen entspricht diese Art von Politik und Rassismus, die anderen sind an allem Schuld.....

Freitag, 14. Dezember 2018

Hej Hijab! Deutsche Kopftuchdebatte und die Schweden - DETTO GLEICHER RASSISMUS IN ÖSTERREICH

Die Dämonisierung des Kopftuchs ist in ihrem Rassismus geradezu pathologisch. Andere westliche Industrienationen sind da viel weiter als das Entwicklungsland Deutschland. Von Timo Al-Farooq

……….. Dass ich überhaupt überrascht war ob einer offensichtlichen Normalität ist schon traurig genug und spricht Bände über ein kulturell zurückgebliebenes Deutschland, dass immer noch debattiert, ob es ein Einwanderungsland sei oder nicht oder ob der Islam zu Deutschland gehöre oder nicht. Und all das, während andere westliche Industrienationen wie England und Frankreich, Kanada und die USA, und sogar das kleine behütete Schweden, diese beiden Fragen längst mit ja beantwortet haben (erstere Beiden allein schon gezwungenermaßen durch ihre Kolonialgeschichte: Multikulturalismus quasi als Reparation für historisches Unrecht). Und diese Bejahungen sind kraft gesellschaftlicher Realitäten und der Schaffung gesetzlicher Rahmenbedingungen entstanden, die diese Lebenswirklichkeiten nicht nur neutral widerspiegeln, sondern als schützenswert erachten und gar weiterentwickeln bis hin zum nationalen Selbstverständnis.

Insbesondere am muslimischen Kopftuch für Frauen erzürnen sich die neoatheistischen Verfechter weißer Hautfarbe, egal ob aus dem linken, mittleren oder rechten politischen Spektrum, mit geradezu radikalreligiösem Eifer. Sie alle vereint ihre unverhohlene Religionsfeindlichkeit, die sich am liebsten am Islam aufreibt, weil er a) ihnen als historisches Lieblingsfeindbild seit den Kreuzzügen schon bestens vertraut ist, und b) dieser ihnen leider eine Steilvorlage nach der anderen liefert, dank der reaktionären und leider diskursbestimmenden Kräfte innerhalb dieser eigentlich so heterogenen Weltreligion eines Fünftels der gesamten Erdbevölkerung.
Dabei können die Islamfeinde sich nicht einmal entscheiden, ob das Kopftuch moralisch verwerflich ist, weil es die Frau unterdrückt, oder weil es die Trennlinie von Staat und Kirche überschreitet. Je nach Gefühlslage und Opportunität wird dann im Kampf gegen das Kopftuch im öffentlichen Raum hin- und her gejumpt, obwohl beide vorgeschobenen Argumente äußerst leichtgewichtig sind...…



Freitag, 5. Oktober 2018

Rassismus - Das Interview, welches ich gern einmal führen würde.

........ Was mich wundert, ist, warum es an dieser Stelle, wenn es um das Thema Rassismus geht, scheint, als wären wir in dem Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“, wo wir immer wieder am selben Tag aufwachen, gefangen.

........ Jemand benennt Rassismus öffentlich. Daraufhin gibt es Menschen, die von Rassismus betroffen sind, die sich nun trauen, auch ihre Erlebnisse zu schildern. Direkt im Anschluss gibt es einen Aufschrei aus der gesellschaftlichen Mitte. Nicht etwa ein allgemeines Entsetzen darüber, wie so viele unserer Mitbürger täglich Alltagsrassismus ausgesetzt sind, sondern darüber, ob diese Erfahrungen denn überhaupt valide sind. Ob sie überhaupt Rassismus genannt werden dürfen. Ob diese Menschen nicht vielleicht doch zu emotional und übersensibel seien. Ob sie überhaupt ein Recht darauf haben, ihre Erfahrungen zu benennen.

....... Rassismus wird immer noch als individuelle böse Tat eines Einzelnen verstanden. ....... Und da ist eine klare gemeinsame antirassistische Haltung von allen Menschen, die sich nicht bewusst rechts positionieren wichtig, essenziell und klar gefordert. Aber: Rassismus nur aus dieser Perspektive zu betrachten ist kurzsichtig und fatal.

..... Denn, wenn solche Debatten wie #MeTwo etwas zeigen, dann dass die überwiegende Mehrheit der Alltags-Rassismuserfahrungen in dieser Gesellschaft dort passieren, wo die Menschen sitzen, die sich selbst für klar antirassistisch halten. Und die denken, dass „nicht rassistisch sein wollen“ reicht, damit Rassismus nicht reproduziert wird. Und diese gesellschaftliche Linke und Mitte sehen sich dann durch solche Erfahrungsberichte plötzlich ihrer Selbstwahrnehmung bedroht.

...... Wir müssen begreifen, dass Rassismus ein gesellschaftliches soziales Konstrukt ist. Rassismus ist nicht nur die Ausnahmetat einzelner böser Individuen. Rassismus ist verflochten in allen Strukturen, allen Institutionen, allen Bereichen unserer Gesellschaft. Wir alle wurden in eine Welt hineingeboren, in der Rassismus in unseren Denkmustern, unserer Sprache, unseren Bildern steckt. Wir alle sind rassistisch sozialisiert worden. Das ist nicht das Gleiche wie „ein Rassist sein“.
weiterlesen im Migazin





Mittwoch, 26. September 2018

Islamophobie und Fremdenfeindlichkeit - Das Rassismus-Problem des Westens

Der Mob in Chemnitz hatte viel mit den Neonazis, Ku-Klux-Klan-Anhängern und anderen Extremisten gemeinsam, die vor einem Jahr in Charlottesville, im amerikanischen Bundesstaat Virginia, für Chaos sorgten, schreibt Ian Buruma in seinem Essay.

Der Mob in Chemnitz hatte viel mit den Neonazis, Ku-Klux-Klan-Anhängern und anderen Extremisten gemeinsam, die vor einem Jahr in Charlottesville, im amerikanischen Bundesstaat Virginia, für Chaos sorgten. Beide Städte sind geschichtlich belastet: Diktatur der Nazis und der Kommunisten in Chemnitz, Sklaverei in Charlottesville. Und obwohl es für den gewalttätigen Extremismus in beiden Städten vielfältige Gründe gab, gehörte Rassismus mit Sicherheit dazu.

Zuwanderer als Sündenböcke
Viele Ostdeutsche, vom Autoritarismus entwöhnt und entweder nicht in der Lage oder nicht willens, von den Bildungs- und Berufschancen in einem vereinten Deutschland zu profitieren, wenden sich rechtsextremen Demagogen zu, die die Schuld an all ihren Problemen Einwanderern und Flüchtlingen, insbesondere jenen aus muslimischen Ländern, in die Schuhe schieben.
Verschärft werden diese Abstiegsängste, von denen Menschen im gesamten Westen erfasst werden, wahrscheinlich durch die Ausweitung der Macht Chinas und das Gefühl, Europa und die Vereinigten Staaten würden ihre globale Vorherrschaft einbüßen. Das meinte Trump vermutlich auch, als er letztes Jahr in Warschau erklärte: "Die grundlegende Frage unserer Zeit lautet, ob der Westen den Willen hat zu überleben".
Islamfeindlichkeit als eine Form von Rassismus
Eine Gemeinsamkeit derjenigen, die der Meinung sind, Muslime seien eine Bedrohung für die westliche Zivilisation, besteht in der Weigerung, den Islam als religiösen Glauben anzuerkennen. Es handle sich um eine Kultur, sagen sie, die nicht mit "westlichen Werten" vereinbar sei. Genau dasselbe wurde in der Vergangenheit oftmals auch von der jüdischen "Kultur" gesagt.

Rassismus in Medien - Wer hat Ahnung vom schwarzen Mann?

Für deutsche Medienmacher scheinen schwarze Menschen alle gleich auszusehen: ein Long Read über einen Rassismus jenseits von Chemnitz und Köthen. Von Timo Al-Farooq

..... Kenia oder Nigeria, Hauptsache Afrika? Dass man in einem angeblich so entwickelten Land wie Deutschland, wo es an Bildungsmöglichkeiten nicht mangelt, den Präsidenten eines der wirtschaftlich und kulturell wichtigsten Staaten Afrikas – vielleicht sogar des wichtigsten Staates Afrikas – nicht kennt (der darüber hinaus auch noch ein Staat ist, aus dem Deutschland einen beträchtlichen Teil seines Erdöls und Erdgases bezieht, 2017 im Wert von 1.341.713.000 €! Quelle: Außenwirtschaftsportal Bayern), finde ich persönlich schon traurig genug.

..... Aber dass man als Journalist – und auch die heute Show-Macher sind Journalisten, meist auch gar keine schlechten – ein Foto einer prominenten Person des öffentlichen Lebens veröffentlicht und sich nicht einmal die Mühe macht, herauszufinden, wer das eigentlich ist, das ist arbeitsethisch unterirdisch und spricht Bände über das Verhältnis der Deutschen zu anderen Kulturen und Staaten im Allgemeinen und dem afrikanischen Kontinenten im Besonderen.

.... Sehen auch für den kicker etwa alle Schwarzen gleich aus? Nach dem Motto Diaby oder Dagba: Hauptsache Frankreich? Würde bei weißen Spielern dem größten deutschen Fußballblatt auch solch ein „Fehler“ unterlaufen?

..... Schneeweiße Meinungsmacher
Das Hauptproblem, weshalb solche Schlampereien überhaupt möglich sind: ein struktureller Rassismus in Deutschland, der die eklatante Unterrepräsentation von nichtweißen Deutschen/Deutschen mit Migrationshintergrund in Medien ermöglicht und perpetuiert. Das hat für den Journalismus zur Folge, dass Themen, die Migranten betreffen, ausschließlich und by default von Nichtmigranten behandelt, bearbeitet und kommentiert werden, auch wenn sie zum einen nicht dazu befähigt sind, weil ihre Lebensrealität und Erfahrungshorizonte gänzlich andere sind als jene von Menschen mit Migrationshintergrund (siehe #metwo); und weil zum anderen ihre eigenen weißen, eurozentrischen Vorurteile – ob offenkundig oder unterbewusst – einer fairen, vorurteilsfreien und damit professionellen journalistischen Verarbeitung im Weg stehen.


Donnerstag, 16. August 2018

#MeTwo-Debatte Deutsch, aber nicht deutsch genug?

Auslöser von #MeTwo war der Rücktritt Özils aus der deutschen Nationalmannschaft, der seinen Schritt unter anderem mit Rassismuserfahrungen begründete. Auch die Künstler Michel Abdollahi, Y'akoto und Idil Baydar haben ihre Erfahrung mit Rassismus gemacht. Yalda Zarbakhch lässt sie zu Wort kommen.


Freitag, 10. August 2018

Mesut Özil und die Meinungsfreiheit in Deutschland




Von Evelyn Hecht-Galinski

Schmerzlich muss ich eingestehen, dass ich den deutschen Antitürkismus und Rassismus speziell gegen Muslime bisher noch unterschätzt hatte.........


Ein einziges Foto hat tatsächlich eine riesige Debatte eröffnet, die uns alle nachdenklich machen sollte. Hat Özil nicht vollkommen recht?.......


Warum darf sich ein deutscher Nationalspieler wie Özil nicht mit dem türkischen Präsidenten abbilden lassen? Gilt das Grundgesetz in Deutschland nicht auch für deutsche Nationalmannschaftsspieler? Welche Werte hat er verraten? Es ist ein Trauerspiel, was sich hier ereignet – verstärkt durch das deutsche Sommerloch........


Während Vodafone sich gerade von Özil als Werbeträger verabschiedete, zeigt auch das nur, wie tief verwurzelt der Antitürkismus in der Gesellschaft ist. Meint Vodafone wirklich damit neue Kunden zu gewinnen? Türkische und andere muslimische Bürger sollten es sich zweimal überlegen, ob sie diese Firma brauchen........


„Der Türke hat seine Schuldigkeit getan, der Türke kann gehen.“ Nein bitte geht nicht, liebe türkische Freunde, sondern bleibt und haltet der Gesellschaft ihren rassistischen Spiegel vor. Alles das, was bei anderen Nationalitäten keine Rolle spielt, kommt gegenüber Muslimen zum Vorschein. Weil sie von Seiten einiger aus die „falsche“ Religion zu haben scheinen, wird dem ganzen Rassismus und Vorurteilen bei Muslimen freien Lauf gelassen. Dieser Rassismus ist beschämend und trifft uns ALLE!



Rassismus an Schulen : Gleiche Leistung, schlechtere Note

Die Debatte um #MeTwo wendet sich auch gegen Lehrer. Erste Erfahrungen mit Rassismus machen viele in der Schule, so die Posts. Was ist dran an dem Vorwurf?