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Mittwoch, 1. August 2018

Rassismus von oben (II)

Die Partei, zu deren Markenkern rassistische Agitation gehört und die vom wachsenden Rassismus in der Bundesrepublik profitiert, kann sich laut einer aktuellen Umfrage bei 17,5 Prozent der Wählerstimmen behaupten. Sie wurde aus einem Teilspektrum der deutschen Eliten heraus gegründet, um die europäische Integration zu bremsen, weil diese von manchen in einigen Bereichen - so beim kriselnden Euro - als zu teuer eingeschätzt wird. Auch weiterhin wird sie von Teilen des deutschen Establishments, insbesondere von wirtschaftsnahen Organisationen, unterstützt. Zugleich nehmen rassistische Äußerungen von Politikern etablierter Parteien zu. Eine Integrationsexpertin von der Berliner Humboldt-Universität warnt vor einer "strategische[n] Entmoralisierung der Gesellschaften" in Europa und urteilt: "Die gesellschaftlichen Entwicklungen weisen in eine präfaschistische Phase".


Die Integration bremsen

Der Rassismus nimmt im deutschen Establishment in einer Zeit zu, in der zwar nicht die EU als Ganzes in Frage gestellt wird - ihre Funktion als Absatzmarkt für die deutsche Industrie gilt als unersetzlich -, zu der aber eine weitere Integration immer häufiger als zu teuer eingestuft und deshalb ihre Verlangsamung, womöglich sogar ihr Rückbau in einigen Bereichen - so etwa beim Euro - in Betracht gezogen wird. Dies geht mit einer stärkeren Betonung nationalstaatlicher Elemente, etwa der bundesdeutschen Außengrenzen, einher - nicht nur bei der AfD sowie bei ihr nahestehenden Vereinigungen, sondern zunehmend auch in den etablierten Parteien. Wachsender Rassismus begleitet dies.
.......Die aktuelle Debatte um den Fußballer Mesut Özil betrachteten viele Migranten "als Warnung: Dass einem die Zugehörigkeit" zu Deutschland "jederzeit entzogen werden kann", unabhängig davon, "welche Verdienste man hat und welche Leistungen man erbracht hat".

2. Teil in german-foreign-policy.com

Samstag, 14. Juli 2018

Mesut Özil im Spiegel vermeintlich gescheiterter Integration

Özil zum jetzigen Zeitpunkt fallen zu lassen – und darauf läuft es hinaus – käme einer Kapitulation gegenüber dem erstarkenden Rechtspopulismus gleich.

DFB Präsident Reinhard Grindel hat öffentlich ein Statement von Mesut Özil eingefordert, sich zum Foto mit Erdogan zu positionieren. Diese Forderung spiegelt zum einen den derzeit unprofessionellen Umgang mit dem Vorrundenaus der deutschen Nationalmannshaft bei der WM wider. Zum anderen wird deutlich, wie sich gesellschaftliche und politische Integrationsdiskurse auf den Fußballdiskurs auswirken und seine Wirkungsmacht entfalten.